Unwetterszenarien - Extremniederschlagsereignisse - sind wir darauf vorbereitet?

“Gestern war es so heiß, wie seit 400 Jahren nicht!“

„Es wurde schwarz wie die Nacht dann kam die Hagelwalze“

“Es goss wie aus Kübeln!“

“Plötzlich war das Unwetter da!“

“Hagel so groß wie Tennisbälle, kein Auto kein Dach war mehr heil“

Wetterkapriolen in Deutschland: Eine Gewitterfront mit starken Regenfällen, gewaltigem Hagel und Sturmböen ist letzte Nacht über weite Teile von.... hinweg gezogen. Dabei richteten die Unwetter einen Schaden in mindestens zweistelliger Millionenhöhe an.

So titelten einige Zeitungen in der vergangenen Zeit.

Ist das alles ein Alptraum? Nein! Hier der realistische Bericht einer Führungskraft:

Schweres Unwetter in der Region .....

Gegen 20:30h am gestrigen Samstag zog von Südwesten ein schweres Gewitter auf uns zu, Blitzintensität ~20 - 25 Blitze/min.
Zunächst Hagel die Straße war weiß, dann etwa 2 Stunden anhaltender Starkregen, es goss wie aus Kübeln 85 Liter/2h. Binnen 2 Stunden stand das Wasser aufn den Feldern teilweise bis zu 40cm, in Mulden bis zu 50cm hoch, Unterführungen standen bis zu 50cm unter Wasser, zahlreiche Autos blieben stecken oder auf der Straße einfach stehen.

Die Kanalisation schaffte die Wassermengen nicht mehr, es kam zu einem Überstau, die Gullydeckel wurden nach oben geschleudert, das Wasser schoss in Wassersäulen aus der Kanalisation und lief von der Straße in die Keller der Häuser.

Angehobener Gullideckel
Das Foto wurde kostenlos zur Verfügung gestellt von FIRE-Foto

Das in .... stattfindende Openairfestival musste wegen des Unwettersn abgebrochen werden, viele der Zelte auf der nahegelegenen Wiese wurden komplett unter Wasser gesetzt.

Die PKW kamen nicht mehr aus der als Parkplatz genutzten Wiese (Schlammsumpf)

Die Teilnehmer des Openairfestival und des Zeltlagers mussten in der Sporthalle und einer Mehrzweckhalle untergebracht und betreut werden.

Sturmböen hatten einige Sonnenschirme, Zelte und Pavillons mitgerissen

Der Strom fiel aus und die Handys gingen nicht mehr.

Es war unvorstellbar !

Über 100 Notrufe gingen innerhalb kurzer Zeit über [die Notrufnummer]112 bei der Leistelle ein.

Alle Feuerwehren und weitere Hilfskräfte waren im Dauereinsatz.

Schlammberge nach dem Hochwasser
Das Foto wurde kostenlos zur Verfügung gestellt von FIRE-Foto

Erfahrungen, Anregungen und strategische Überlegungen aus Oberbayern

Die Zahl der Tage mit mehr als 30 Litern auf dem Quadratmeter Niederschlag hat in jüngster Zeit um Zwei Drittel zugenommen. Spitzenwerte mit 300 Litern in 72 Stunden sind gefallen, Hagelkörner so groß wie Tennisbälle! Diese Ereignisse sind und bleiben keine Einzelfälle!

Die Feuerwehren Oberbayerns sind der Meinung, dass spätestens seit den Hochwasserkatastrophen von 1999 (Pfingsthochwasser), 2002 (Augusthochwasser, Tief „Ilse“) und 2005 (Augusthochwasser, Tief „Norbert“) jedem klar sein muss, wie wichtig eine Unwetterwarnung und vorausschauende Planung gerade in den Gemeinden und bei den Wehren ist:

Bei außergewöhnlichen Extremniederschlagsereignissen, besonderen Sicherheitslagen oder Unfällen mit erhöhter Wirkung nach außen ist eine Leitung durch die Sicherheitsbehörden notwendig. In Gemeinden sind die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister unter Hinzuziehung der Fachbehörden gefordert. Sie sollten bereits vorab einen Stab zusammenstellen, dessen Zusammensetzung durch die Kommune entschieden wird. Auf Kreisebene und in den kreisfreien Städten kann der Katastrophenfall ausgerufen werden. In diesem Fall obliegt die Einsatzleitung der jeweiligen Katastrophenschutzbehörde. In Frage kommen unter anderem folgende Unwetterszenarien: Hochwasser, Sturm, Orkan, Tornados, Hagel (-Unwetter), extreme Trockenheit (Waldbrandgefahr), starker Schneefall (Erhöhung der Dachlast mit drohendem Gebäudeeinsturz), Schneechaos auf der BAB, Murenabgängen oder andere denkbare Situationen. Auch in Bayern ist ein Umdenken notwendig: So manches Schadensereignis war bisher nicht vorstellbar. Unwetter und Katastrophen gab es schon immer, doch früher waren andere Voraussetzungen gegeben. Durch den Klimawandel und die verstärkte Bebauung ist heutzutage von ganz anderen Schadensereignissen auszugehen.

Eine gute vorbereitende Organisation ist hier die Basis für einen erfolgreichen Einsatz. Dringend geboten ist bei diesen Ereignissen ein Katastrophenmanagement, das folgende Schwerpunkte hat:

- Alarmierungskarte Unwetter (Information)
- Alarmierungskarte Unwetter (mit realem Schadenseintritt)
- Einrichten einer Koordinierungsstelle, wo auch geklärt sein muss, ab welchem Zeitpunkt
wie lange wer entscheidet

Wie stellt sich die Notfallplanung einer Kommune dar? Hier sind eine Erfahrungswerte:

- Vorausschauende Planung hat Priorität
- Gemeindespezifische Informationen müssen vorbereitet sein
- Brücken stellen eine Gefahr der Verklausung dar
- Straßendurchlässse (Rohr - Querrungen) Rückstau-, und Verklausungsproblematik
- Alarmpläne - Alarmierung der Mitarbeiter am Wochenende muss gewährleistet sein
- Gemeindebezogene Notfallpläne (Wasser, Abwasserkanal, Gas)
- Hochwassereinsatzplan
- Gemeindepläne auf Formate DIN A 3 und DIN A 4 kopiert vorhalten
- Info- bzw. Anlaufstelle für Bürger mit Telefon, Fax und Email vorbereiten
- Raum für Besprechungen - Pressekonferenzen (Sitzungssaal) vorsehen
- Verbindung zur Einsatzleitung und Lagebesprechungen

- Ausbildung in den Gemeinden im Katastrophenschutz
- Planen und Beüben der besonderen Führungsorganisation von witterungsbedingten
Großschadensstellen
- Übungsmöglichkeiten - Einsatzvorbereitung auf Großschadensstellen
- Üben, üben, üben ...

Übungen sind sehr zeitintensiv, doch dabei lernen sich alle Einsatzkräfte und Verantwortlichen kennen und machen sich mit den Übungsvorgängen vertraut. Niemand darf glauben, dass etwas, was noch nie geübt worden ist, auf Anhieb klappt!

 

Eine erfolgreiche Bewältigung von Unwettereinsätzen kann nur ganzheitlich (integriertes Handeln) unter der Berücksichtigung der folgenden Punkte geschehen:

- Bürgerinnen und Bürger müssen für dieses Thema sensibilisiert und in ihrer Eigenverantwortung gestärkt werden, Bewusstsein schaffen, das eigene Risiko kennen!
- Vorsorge für den Ernstfall treffen
- Risikovorsorge durch Versicherungen
- Unwetterwarnungen sind stets zu beachten und zu beherzigen!
- Ein vorbeugender baulicher Hochwasserschutz hat oberste Priorität!
- Wasserrückhaltung in der Fläche ist zu unterstützen!
- Umgang mit Wassergefährdenden Stoffen (Öltanks)
- Alarmierungskarten für Unwetter müssen vorbereitet werden!
- Hochwassereinsatzpläne sind dringend geboten, um im Ernstfall zielgerichtet zu handeln!
- Mobile Hochwassersperren, die schnell aufzubauen sind, werden benötigt!
- Schlussendlich müssen weitere Hochleistungspumpen dezentral angeschafft werden.

 

Bei uns gibt’s das nicht? - Von wegen!

Katastrophen lassen sich prinzipiell nicht verhindern. Den Einsatzkräften bei der Gefahrenabwehr und dem Katastrophenschutz bleiben nur kurze Zeit zum reagieren. Aus diesem Grund sind die Verantwortlichen aufgefordert, alles daran zu setzen, Katastrophen zu managen!

Eine schnelle, schlagkräftige Führung ist bei solchen Schadensereignissen notwendig, um zu rechten Zeit klare Entscheidungen zu treffen!

Verlässlicher Partner sind die Feuerwehren Oberbayerns!

Weitere Informationen auf unseren CD
Fortbildung für Führungskräfte Teil II

Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern e. V.

Gerhard Bullinger
Vorsitzender