Ein ohrenbetäubendes
Krachen riss die Menschen in Thüringen aus ihren Betten.
Fensterscheiben klirrten und gingen zu Bruch, Hauswände
wurden eingedrückt und Dachziegel flogen wie von Geisterhand
durch die Luft. Ein gewaltiger Tornado fegte in der Nacht
zum Montag durch den kleinen Ort Quirla in der Nähe
von Jena und richtete Schäden in Millionenhöhe
an. Drei Einwohner wurden nach Angaben von Kreisbrandinspektor
Volker Gitte verletzt, als sie in der Dunkelheit bei Stromausfall
ihre Häuser verließen.
Es kam zu Stürzen,
Knochenbrüchen und Schnittverletzungen.
Der Wirbelsturm war völlig überraschend aufgezogen
und beschädigte 22 Häuser einer neuen Einfamilienhaussiedlung.
Gegen 1.52 Uhr hatte der Tornado eine Schneise durch das
Dorf und das angrenzende Waldgebiet geschlagen, Bäume
knickten um wie Streichhölzer. Herabstürzende Äste
zerstörten Autos, Strom- und Telefonleitungen.
Die Stromversorgung in der Region brach zeitweise völlig
zusammen. „Der Tornado selbst war nach einer Minute
vorbei“, berichtete eine Anwohnerin. „Es war
ein Krach wie von einer Flugzeugturbine und ein Luftsog ohne
Ende“, erzählte Eberhard Schnei-der. Der Gastronom
wohnt etwa 500 Meter entfernt von den vor etwa zehn Jahren
gebauten Häusern, die direkt von dem Wirbelsturm getroffen
wur-den. In seinem „Truck-Stop Quirla“ an der
Dorfstraße nahm Schneider Betroffene auf. „Ich
habe meine Leute aus dem Bett geholt, den Truck-Stop geöffnet
und den Kamin angeworfen.“
In der Fernfahrer-Raststätte gab es für die obdachlos
gewordenen Dorfbewohner warmen Kaffee und Bockwürste – viele
hatten noch immer ihre Schlafanzüge an. Einen Tag nach
dem verheerenden Tornado gingen die Aufräum- und Reparaturarbeiten
trotz Regens zügig voran. „Bis auf eine Frau,
deren Haus arg beschädigt wurde, konnten alle betroffenen
Familien wieder in ihren Häusern schlafen“, sagte
der ehrenamtliche Bürgermeister Wolfgang Simon gestern.
Handwerker hätten noch am Montag alle Häuser so
weit notdürftig repariert, dass es nicht mehr reinregne.
Auch die Straßenbeleuchtung sei wieder intakt. Dennoch
hatten gestern zwei Feuerwehren aus den Nachbardörfern
und jede Menge freiwillige Helfer in dem 450-Einwohner-Ort
viel zu tun |