Prälat Obermaier: „Uns werden sie fehlen!“

Oberbayerns Feuerwehren gedenken der Toten in Münchner Patronatskirche Sankt Florian

Gedenkgottesdienst in St. Florian

Absolute Stille herrschte in der Stadtpfarrkirche Sankt Florian in der Münchner Messestadt Riem, als sich die Feuerwehrleute zum Totengedenken erhoben hatten. Die größte Kirchenglocke läutete und war weit über das Kirchenareal zu hören. Sie ist dem heiligen Florian geweiht und gilt als Patronatsglocke der oberbayerischen Feuerwehren, die deren Anschaffung finanziert haben. Vor dieser Trauerminute verlas Gemeindereferent Matthias Holzbauer die Namen von 61 Feuerwehrkameraden. Die Männer im Alter zwischen neunzehn und neunzig Jahren sind in den zurückgelegenen zwölf Monaten verstorben. In der Nacht zum 30. Oktober verstarb zuletzt der Ehrenkreisbrandrat des Landkreises Ebersberg, Andreas Schiller. Der 83-Jährige war in Berg bei Steinhöring zu Hause.

Matthias Holzbauer ist Feuerwehrseelsorger des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberbayern und Gemeindereferent in Glonn, Kreis Ebersberg. Während er in dem Gotteshaus, der Patronatskirche der oberbayerischen Feuerwehren, die Namen der Toten verlesen hat, entzündeten Ministranten für jeden einzelnen eine Kerze vor dem Altar. Laut Holzbauer verstarb im Berichtszeitraum niemand während eines Einsatzes. Aber nicht nur ältere Mitglieder der Feuerwehr mussten genannt werden. Mehrere Männer verstarben in jungen Jahren. In einem Gedenkbuch sind die Namen aller verstorbenen Feuerwehrleute Oberbayerns der vergangenen Jahre verewigt. Die Stadtpfarrkirche Sankt Florian wurde am 4. Mai 2005 vom damaligen Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, geweiht. Seitdem lädt der Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern Jahr für Jahr zu einem Gedenkgottesdienst ein. Abwechselnd wird einmal diese Feier als Messe und einmal als ökumenischer Gottesdienst begangen.

Altar

Beeindruckt von der regen Teilnahme von Feuerwehrleuten und Angehörigen zeigte sich der Seelsorgereferent des Erzbistums München und Freising, Domkapitular Josef Obermaier. Der Prälat richtete Grüße des Erzbischof Reinhard Marx aus und sicherte zu, ihm von dieser Feier zu berichten. Obermaier freute sich, dass die Patronatskirche so sehr von den Feuerwehren als besonderer Ort des Gedenkens an den Feuerwehrpatron und an die Verstorbenen anerkannt werde. Vielleicht, so Obermeier, werde in den nächsten Jahren der Erzbischof selbst einem Gedächtnisgottesdienst vorstehen.
Mit Domkapitular Josef Obermaier feierte Pfarrer Martin Guggenbiller, der Ortsseelsorger von Sankt Florian, den Gottesdienst. Unter den assistierenden Feuerwehrseelsorgern befand sich auch Diakon Andreas Müller-Cyran, katholischer Beauftragter für die Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst in den bayerischen (Erz-)Diözesen.
Prälat Obermaier erinnerte in seiner Predigt daran, dass das Leben auf Erden lediglich den Anfang für die Ewigkeit darstelle. Der Glaube an die Ewigkeit sei kein Phantom, sondern würde eine wirkliche Perspektive darstellen, egal, in welchem Alter ein Mensch sterbe.

Die Feuerwehrleute würden laut Obermaier durch ihre Teilnahme an einem solchen Gottesdienst zeigen, dass sie sich all jener erinnern würden, die unter ihnen gelebt und gewirkt haben. Damit werde auch zum Ausdruck gebracht: „Uns werden sie fehlen!“ Obermeier äußerte den Wunsch, dass die Frauen und Männer der Feuerwehren auch in schwierigen Situationen, etwa bei Einsätzen, aufs Gebet zurückgreifen werden, um Halt zu finden.
Der Jahresgottesdienst des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberbayern zieht immer mehr Teilnehmer an. Teilweise wurden auch heuer weite Anfahrten aus den Landkreisen in Kauf genommen, um der liturgischen Feier in München beizuwohnen. Vierzig Fahnen- und Standartenabordnungen säumten die Altarwandseite und gaben ein beeindruckendes Bild. Vorsitzender Karl Neulinger, Kreisbrandrat des Landkreises Mühldorf am Inn, weiß, warum das Interesse an diesem Gottesdienst so groß ist: „Für uns ist es keine Floskel, dass wir den Toten ein stetes Gedenken bewahren werden. Sie waren zu Lebzeiten unter uns und bleiben auch durch ihren Tod nicht vergessen.“ Pfarrer Martin Guggenbiller lud die oberbayerischen Feuerwehren ein, auch unterm Jahr das Gotteshaus zu besuchen und hier ihren Patronatsheiligen zu verehren. Es sei auch eine gute Gelegenheit, der Toten etwa durch das Anzünden eines Kerzenlichtes zu gedenken. Viele, die zum ersten Mal an dieser Feier teilgenommen haben, waren von der Ausdrückstärke begeistert. „Wir kommen wieder“ oder „Die Fahrt hat sich gelohnt“ war zu hören.
Nach der kirchlichen Feier sind die Teilnehmer an dem Gedenkgottesdienst auf Einladung des Erzbistums München und Freising zu einer gemütlichen Einkehr in den Pfarrsaal von Sankt Florian eingeladen gewesen. Hier habe, so Feuerwehrseelsorger Holzbauer, auch die Möglichkeit bestanden, über die Toten ins Gespräch zu kommen. Prälat Josef Obermaier nutzte die Gelegenheit, um mit den vielen Feuerwehrleuten zu sprechen.

Gedenken in St. Florian

1. November 2009

Wolfgang J. Rotzsche