Zehn Jahre Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern

Nicht nur „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“

  • kompetent
  • flexibel
  • modern
  • schlagkräftig
  • innovativ

Ein Interview mit dem BFV-Vorsitzenden Gerhard Bullinger:

Wer ist der BFV und wie viele Feuerwehrleute gehören dem BFV Oberbayern an?
Zwei Berufsfeuerwehren mit 1610 Beamten, 62.214 Freiwillige Feuerwehrleute bei 1330 Feuerwehren und 9059 jugendliche Feuerwehranwärter in 839 Jugendgruppen profitieren von der Arbeit des BFV.

Geschichte des BFV Oberbayern
Im Laufe der Geschichte gab es zahlreiche Veränderungen bei Bayerns Feuerwehren. Nicht nur auf Ortsebene fanden sich (meistens) Männer, die sich dem Schutz von Hab und Gut, der Hilfe und Unterstützung verschrieben haben, sondern auch über die Gemeinde- und Kreisgrenzen hinaus. Der Oberbayerische Kreis-Feuerwehr-Verband wurde am 26. Dezember 1867 in Freising gegründet und durch das Reichsgesetz vom 23. November 1938 aufgelöst.

Erst am 11. März 1995 konnte der nunmehrige Bezirksfeuerwehrverband (BFV) Oberbayern in Ebersberg (wieder-)gegründet werden. An der Spitze des BFV ist seit dem das Team mit Gerhard Bullinger (KBR), Günter Hölzl (Chef BFM) Dieter Wurm (KBR) Andreas Gandorfer Schriftführer und (Stv. Vorsitzender WFV) und Willi Funke Schatzmeister.

Dieses Team hat fast 10 Jahre die Geschicke des BFV Obb geleitet und neuen Ideen vorgebracht und umgesetzt, was in dem starren Gefüge der EU - Normen Richtlinien und Unfallverhütungsvorschriften weiß Gott nicht immer leicht ist.

Im Jahre 2005 trat Günther Hölzl in den Ruhstand. Ihm folgte sein Nachfolger Ltd. BD Dipl. Ing. Wolfgang Schäuble in den Vorstand und für unseren KBR Dieter Wurm folgte als zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden KBR Karl Neulinger aus dem Lkrs. Mühldorf nach.

Wozu ein BFV?
Ich verstehe den Verband als Dienstleister und Kümmerer für seine Feuerwehren, deren Kommandanten und der Kommunen auf der Regierungsbezirksebene, die gerade heute in der Zeit der knappen Kasse der Kommunen und dem Spannungsfeld zwischen Beruf, Familie und Ehrenamt eine Plattform für die Thematisierung ihre Probleme brauchen. Diese sind regional sehr unterschiedlich, so hat zum Beispiel der Ballungsraum München mit seiner Verkehrsdichte, seinen Gewerbeansiedlungen, dem Messegelände, dem Schienennetz mit U - und S-Bahn, dem Luftverkehr mit Großflughafen und Allianz Arena, den vielen Pendlern ganz andere Probleme wie zum Beispiel die Oberpfalz.

Gesetzgeber ist der Freistaat Bayern, Dienstherr der Innenminister, einen staatlichen Landesfeuerwehrchef gibt es nicht. Warum also die ganze Verbandsarbeit?
Die Feuerwehrverbände sind im Artikel 22 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes gesetzlich verankert und sind bei allen Fachfragen des Feuerwehrwesens von den staatlichen Behörden zu beteiligen.

Macht denn eine Verbandsstruktur Sinn, wo doch jede Kommune eine eigene Feuerwehr unterhält?
Gerade deshalb macht eine Verbandsarbeit Sinn! Es muss heutzutage, wo gerade die Ressource Zeit kostbar geworden ist, nicht jeder das Rad für seine Feuerwehr neu erfinden. Das wird wichtiger denn je, wenn das Wertvollste, das jeder (nur einmal hat), seine Freizeit, auf dem Spiel steht. Die Feuerwehrleute müssen nicht noch jeder am Abend oder zusätzlich am Wochenende
Literatur wälzen und darüber brüten, wenn sie einen Unterricht oder ein Übungsthema ausarbeiten sollen. Es brennt in A-Dorf nicht anders als in Musterstadt. Hier gilt es Probleme zu erkennen, aufzugreifen und zu thematisieren, zu bündeln und einer Lösung zuzuführen. (Beste Beispiele hierzu sind unsere Arbeits- und Unterrichtshilfen auf CD-Rom)

Themen:

Oder die Organisation von Ausbildungsseminaren durch
das BFV-Seminarteam mit folgenden Themen:

  • Anwendung des Art. 28
  • Gefahrgutfortbildung GWG Standorte (jährlich)
  • Training der Atemschutzausbilder bei RISC Rotterdam
  • Seminar G26 für Ärzte
  • First Responder Kongress
  • Leitstellen Kongress 112
  • Dialog Brandmeldetechnik (zwei Mal)
  • Symposium Zugunglücke
  • Bewältigung (Management) von Großschadenslagen (in Zusammenarbeit mit dem LFV-Bayern)

Weitere Leistungen sind

  • Erarbeiten einer vorläufigen TAB (Technischen Anschluß Bedingung) für Oberbayern und Mitarbeit an einer bayernweit einheitlichen TAB - Bayern
  • Projekt BFV-RED CARD (Bonus-Card) für aktive Feuerwehrdienstleistende in Oberbayern

Diese Aufstellung ist als beispielhaft anzusehen und kann aus Platzgründen nicht vollständig abgedruckt werden.
Wir sind stolz auf unsere eindruckvolle Leistungsbilanz der vergangenen zehn Jahre, hier zeichnet uns eine hohe Flexibilität und Verfügbarkeit von engagierten und kompetenten Fachleuten aus.

Gab es seit 1995 Veränderungen, die durch den BFV erbracht worden sind?
Wir leben in einer Zeit der Veränderungen, bei der es auch für die Feuerwehren gilt mitzuziehen und nicht an Althergebrachtem festzuhalten. Wir haben mit unserer Homepage www.bezirksfeuerwehrverband-oberbayern.de die Möglichkeit, unsere Mitgliedsfeuerwehren und die Öffentlichkeit zeitnah und kostengünstig zu informieren.

Sehen Sie sich als Sprachrohr?
Ja, früher war ich Sprecher, heute sehe meine Funktion im Verband als Sprach- und Hörrohr mit der Aufgabe, hinzuhören, Probleme aufzugreifen und an die Gremien auf Landes-, Bundes- oder sogar Europaebene weiterzugeben. Am meisten Sorgen macht uns derzeit die Regelungsflut in Brüssel zu schaffen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Regelungen auf europäischer Ebene den Feuerwehren und den Kommunen Sorgen verbunden mit Kosten bereiten. Ich nenne hier nur beispielhaft die Themen Führerscheine, Helme, Schutzkleidung, Normen, Normen und nochmals Normen. Aber gerade das sehe ich als unseren Verbandsauftrag: die Sorgen und Nöte unserer Feuerwehren nach aussen zu tragen und anzusprechen!

Wir müssen der Politik deutlich machen: Macht es uns Feuerwehrleuten doch nicht so schwer! Seid froh, dass es noch Leute gibt, die es ehrenamtlich machen! Ein hauptamtlicher Brandschutz zum Beispiel würde im Landkreis EBE immerhin 27.000.000.- € jährliche Personalkosten verursachen.

Die Feuerwehrverbände sind in verschiedene Fachbereiche unterteilt. Und das auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Wird da stets das Rad neu erfunden?
Nein! Ganz im Gegenteil. Nach dem Prinzip "von der Basis für die Basis" werden Probleme und Themen von unten nach oben erfasst, gebündelt und strukturiert bearbeitet. Es ist unser großer Vorteil, daß wir in den Fachbereichen Fachleute haben, die immer noch den Bezug zur Praxis haben, weil sie täglich im Einsatzdienst ausrücken.

Wir leben in einer Zeit der Veränderungen. Auch die Feuerwehren sind davon nicht ausgenommen! Mit dem Anwachsen des Verkehrs, dem Wachstum der Gemeinden, den geänderten Baustoffen und Bauarten, den Änderungen in der Kfz-Technik, der geänderten Sicherheitslage kommen auf die Feuerwehren immer weitere Aufgaben und Herausforderungen zu. Dabei müssen wir uns alle selbstkritisch fragen, wie viel Aus- und Fortbildung heute ein Feuerwehrdienstleistender oder eine Feuerwehrführungskraft braucht.
Kommen wir mit den vielen Neuen Begriffen wie AED, SBE, BMZ, TAB, CAFS, ABC, MKS, BIO, GPS, GIS, Digital - Funk, First Responder, Flash-Over, Roll-Over, Backdraft, Defibrillator, Wasserstoffantrieb, Photovoltaikanlagen, Guide Line, Wärmebildkamera, Absturzsicherung, Einsatzhygiene und den neuen Feuerwehrdienstvorschriften, wie zuletzt die FwDV 500, noch klar? Und wie setzten wir uns damit auseinander?
Das ist bestimmt keine Wichtigtuerei von Einzelnen, sonders hier steht die Sicherheit unser Feuerwehrkameraden im Einsatz im Focus, sowie die zielgerichtete Hilfe für unsere Bürger!
Nach dem Gesetz von Murphy geht alles, was schief gehen kann, auch mal schief, es ist nur die Frage, wann und wo? Die genannten Bereiche sind sehr umfangreich, erfordern ein sehr hohes Maß an Ausbildung, Fähigkeiten, Kenntnisse und Verantwortung. Sie sind teilweise mit erheblichen Fortbildungs- und Verwaltungsaufwand verbunden. Uns allen ist bewusst: Der Kommandant muss heute ein großes Stück seiner Freizeit dafür aufwenden, seine Aufgaben verantwortungsbewusst erledigen zu können. Die vielfältigen Aufgabenbereiche der Kommandanten werden im Bayerischen Feuerwehrgesetz erläutert. Als verantwortungsbewusste Führungskraft oder Einsatzleiter trägt er auch die Verantwortung für die ihm im Einsatz unterstellten oder anvertrauten Feuerwehreinsatzkräfte. Wir müssen uns die Frage stellen: Wie können wir unsere verantwortungsvolle Führungsaufgaben in einem komplexen Gefahrenmanagement auch in Zukunft noch ehrenamtlich lösen?

Ein wichtiger Punkt wird die Umsetzung des Leitstellengesetzes Notruf 112 sein, zu dem wir hier in Poing in den Workshops wichtige Informationen erhalten haben. Es kommt nichts erschreckend Neues auf uns zu, es gib in allen anderen Bundesländern schon Leitstellen. Aber es ist für die Freiwilligen Feuerwehren Bayerns ein Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft, der mit Weitsicht beschritten werden muß, ohne sich an Altüberliefertem festzuklammern.

Auch die Feuerwehren durchlaufen gerade einen Wandel, der auch Spuren hinterlassen wird. Wie sehen sie die (freiwilligen) Feuerwehren der Zukunft? Können wir uns unsere Feuerwehren auch in Zukunft noch leisten?

Für viele Bürger mag es in unserer hochmodernen, durch komplexe Vernetzungen auch gegen Störungen von außen anfällig gewordenen Zeit eine Selbstverständlichkeit darstellen, wenn innerhalb kürzester Zeit die Feuerwehr vor der Tür steht und adäquate Hilfe leistet. Manche vergessen dabei ganz schnell, dass ehrenamtliche Kräfte zum Einsatz ausrücken.
Sie verlassen den Arbeitsplatz und schon sind doppelt im Einsatz - beim Arbeitgeber und bei der Feuerwehr. Sie vernachlässigen Termine, sie opfern den Feierabend, sie werden aus dem Schlaf gerissen, sie kommen zu spät zu Verabredungen, sie nehmen unter Umständen Repressalien und Unverständnis in Kauf, sie riskieren ihe Gesundheit, sie versetzen den Partner, sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse hintan! Und sie machen das gerne, um anderen Helfen zu können. Sie helfen, denn Hilfe in Not ist das Gebot der Feuerwehr!

Feuerwehr ist nicht nur „Retten, Löschen, Bergen,Schützen“, sondern auch kulturelles und soziales Engagement in den Orten, Gemeinden, Märkte, und Städten. Die Wehren sind als engagierte Organisatoren und Mitveranstalter von großen Veranstaltungen bestens bekannt. Darum spreche ich mich hier immer ganz klar für den Erhalt unserer Ortswehren aus, ohne die das nicht zu machen wäre.

Wie sieht konkret die weitere Verbandsarbeit aus?
Wir haben zwei neue Leute im Vorstand: den neuen Chef der Berufsfeuerwehr München, den leitenden Branddirektor Dipl.-Ing. Wolfgang Schäuble und den Mühldorfer Kreisbrandrat Karl Neulinger, die ihre Fachkompetenzen einbringen, uns in unserer Verbandsarbeit weiterbringen und unserem Team wieder neue Impulse geben werden.

Welche Wünsche haben Sie für den BFV?
Dass sich immer motivierte Fachleute finden, die bereit sind, neben ihrer Einsatztätigkeit in den Feuerwehren die Zeit und vor allem die Muse finden, mehr zu tun. Ich denke dabei an in die Fachbereichsarbeit, aber auch an das Engagement in den Gremien auf Landes- und Bundesebene, selbst auch auf europäischer Ebene. Dies ist notwendig, um für unsere Feuerwehren etwas zu erreichen. Wer nicht handelt wird behandelt!

-wjr-